Schnelleinstieg Reader

Home|Suche|Sitemap|Webmail

Startseite FSU

Zur Geschichte des Ernst-Haeckel-Haus in Jena


Das Ernst-Haeckel-Haus der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist - nach dem Karl-Sudhoff-Institut in Leipzig (1905/06) - eines der ältesten wissenschaftshistorischen Institute in Deutschland. Beide Institute verdanken ihre Gründung privaten Stiftungen. Während jedoch in Leipzig aus Mitteln des von dem Wiener Medizinhistoriker Theodor Puschmann (1844-1899) hinterlassenen Stiftungskapitals von der Medizinischen Fakultät 1904 zunächst eine außerordentliche Professur für Medizingeschichte und damit verbunden auch ein Universitätsinstitut für Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften geschaffen wurde, gestaltete sich die Institutsgründung und die institutionelle Verankerung des Faches Geschichte der Naturwissenschaften als Universitätsdisziplin in Jena komplizierter.

Die Institutsgründung ist unmittelbar mit der Person des Zoologen Ernst Haeckel (1834-1919) verbunden. Das ganz spezifische Profil des Ernst-Haeckel-Hauses, die Doppelfunktion als Museum und als wissenschaftshistorisches Universitätsinstitut mit angeschlossenen Archiv- und Sammlungsbeständen, ist historisch gewachsen. Das Institut hat seinen Sitz im ehemaligen Wohnhaus Haeckels in der Berggasse 7 in Jena. Haeckel hat dieses Haus im italienischen Landhausstil 1882/83 in unmittelbarer Nähe des gleichzeitig erfolgten Neubaus des Zoologischen Instituts für seine Familie bauen lassen und bis zu seinem Tode 1919 bewohnt. In den fast 60 Jahren seiner akademischen Lehrtätigkeit wurde Jena zum "Mekka, wohin alle jungen Zoologen pilgerten" und zum Zentrum des Darwinismus in Deutschland. Als Haeckel am 9. August 1919 im Alter von 85 Jahren starb, "war er bereits zur historischen Gestalt in der Geschichte der Biologie geworden." Für die Jenaer Biologie hatte er Bleibendes geschaffen. An Stelle des ehemaligen Zoologischen Museums (drei Räume im alten Stadtschloß), dessen Direktorat er 1862 gleichzeitig mit der Berufung zum Extraordinarius übernommen hatte, hinterließ er drei neue Institutionen, die sich seitdem rein äußerlich kaum verändert haben: das Zoologische Institut, das aus Stiftungsgeldern errichtete und anläßlich des 350jährigen Jubiläums der Universität 1908 übergebene "Phyletische Museum" und das "Ernst-Haeckel-Haus".


Wir unterscheiden für die Zeit von 1912 bis 1979, dem Jahr der Emeritierung Georg Uschmanns, vier Etappen:

  1. 1912-1936: Von der privaten Sammlung zum "Ernst-Haeckel-Haus, Archiv und Schau" unter Leitung von Heinrich Schmidt;
  2. 1936-1945: Vom Memorialmuseum zur "Anstalt für Geschichte der Zoologie, insbesondere der Entwicklungslehre" unter Leitung von Victor Franz;
  3. 1945-1959: Übernahme als "Institut für Geschichte der Zoologie, insbesondere der Entwicklungslehre" durch die Friedrich-Schiller-Universität und das Direktorat von Georg Schneider;
  4. 1959-1979: Das Direktorat von Georg Uschmann, die Begründung eines Lehrstuhls für Geschichte der Naturwissenschaften (1965) und Umbenennung des Instituts in "Institut für Geschichte der Medizin und Naturwissenschaft - Ernst- Haeckel-Haus" (1968).


Weiterführende Literatur:

Franke, H. (1984): Das Ernst-Haeckel-Haus in Jena. Seine Entwicklung als museale Einrichtung und wissenschaftshistorisches Institut. - Neue Museumskunde 27 (1984) 4: 222-229.

Franz, V. (1937): Haeckels Heim als Gedenk- und Forschungsstätte. - Natur und Geist 5 (193).

Franz, V. (1939): Jenas Ernst-Haeckel-Haus und seine Aufgaben. - Der Biologe 8 (7/8): 262-264.

Krauße, E. & R. Nöthlich (1990): Ernst-Haeckel-Haus der Universität Jena. Braunschweig: Georg Westermann.

Rehfeld, K. (1996): 75 Jahre Ernst-Haeckel-Haus. - Naturwissenschaftliche Rundschau 49 (11): 430-434.

Schmidt, H. (1924): Das Ernst-Haeckel-Archiv in Jena. - Monistische Monatshefte 9 (2): 33-38.

Uschmann, G. (1959): Geschichte der Zoologie und der Zoologischen Anstalten in Jena 1779 - 1919. Jena.

Vgl. ausführlicher Krauße, E. & U. Hoßfeld (1999): Das Ernst-Haeckel-Haus in Jena. Von der privaten Stiftung zum Universitätsinstitut (1912-1979). In: A. Geus et al. [Hrsg.] (1999): Repräsentationsformen in den biologischen Wissenschaften. zgl. Verhandlungen zur Geschichte und Theorie der Biologie 3, VWB-Verlag, Berlin, S. 203-232.