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Neuronale Ästhetik


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Santiago Ramón y Cajal, Cerebralganglion der sepia - Längsschnitt mit Anfärbung einzelner Nervenzellen 1917.


Was wir sehen, bestimmt sich durch das, was wir im Kopf haben. Dies ist aber nicht einfach Resultat unserer Gene, sondern immer auch Ausfluss unserer Kultur: Die neuronale Ästhetik erschließt die hier nötige Abstimmung von Natur- und Kulturgeschichte. Dabei geht es um eine neue Phänomenologie, die Natur und Kultur nicht in zwei Bereiche teilt, denkt oder die eine auf die andere Seite zurück bricht. Unsere Art und Weise die Dinge zu sehen, wird durch die Kultivierung bestimmt, die eben auch unseren Kopf ausrichtet. Das Neuronale ist nicht einfach nur Effekt einer Evolution, es ist Reflex einer Kultur und in diesem Doppelsinne als Einheit zu deuten. Es geht hier um eine neue integrative Phänomenologie, die unser Erfahren auf unsere Körperlichkeit zurück bindet, diesen Körper aber immer auch in seiner Kultur und damit seine über die bloße Natur hinausweisende Geschichte begreift.

Die Neuronale Ästhetik nimmt die Grundeinsicht der biologischen Funktionalität des Menschen auf. Sie schließt damit an die philosophischen Positionen von Körperlichkeit an, nimmt aber gerade in Blick auf die Organisation des neuronalen Systems die Darstellung von Verrechnungseigenheiten auch insoweit in den Blick als sie die Neurowissenschaften selbst als auch ihrerseits nach ästhetischen Prinzipien handelnde Wissenschaften ernst nimmt. Die Dualität von Evolutions- und Kulturgeschichte löst sich in dieser Perspektive nun nicht einfach auf, sondern sie wird für eine umfassende bio-anthropologische Perspektive fruchtbar gemacht. So entsteht die Kontur einer neuen Phänomenologie, die den Menschen als neuronales Wesen und als Produkt einer Evolution ernst nimmt, ohne seine Kultur zu verleugnen. Weitere Folgerungen betreffen die Frage der Darstellung der Erfahrung und eine Fassung des Anschaulichen. Hier gibt die Neuronale Ästhetik die Grundlinien vor. Und so wird in Darstellung dessen, was für uns als sensorisch organisierte, neuronal verrechnende Wesen Erfahrung und damit auch Selbsterfahrung ist, die Kultur solchen Erfassens gerade in einem konsequent neurobiologisch geführten Ansatz deutlich. Konsequenz meint dabei, die Perspektive nicht einfach nur auf das einzugrenzen, was im Horizont einer Disziplin zu sehen ist, sondern dieses Sehen umfassend nach den dies insgesamt strukturierenden Begriffen und den in diesen und vor diesen liegenden Dispositionen zu umgreifen, wie sie sich in der Wissenschaft des Erfahrens explizieren, aber eben nicht formieren. So kommt im Anschauen etwas in den Blick, was wir in all den Darstellungen der uns bestimmenden Mechaniken nur zu schnell verstellen: die Einheit eines Erfahrungsraumes, die mehr ist als dessen Physiologie, die aber eben doch wiederum nur in der Physik und Chemie der uns möglichen Reaktionen ausbuchstabiert ist. >>english version


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